JESUSKIRCHE

Die Jesuskirche wurde von den Jesuitenvätern am Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut. Das Gebäude ist an der Stelle der alten Kirche „San Nicola della Cattolica“ (VIII-IX. Jh.), d.h. der damaligen griechisch-orthodoxen Kathedrale Tropeas. Nach dem Abriss der Überreste dieser alten byzantinischen Kirche wurde die heutige Kirche nach dem Entwurf der Chiesa del Gesù Nuovo in Neapel gebaut (mit griechischem Kreuzgrundriss und Kuppel- und Tonnengewölbe, aber sie wurde nie fertiggestellt). Die Fassade ist im Barockstil, so wie im Innenraum (1). Vier Reliefpilaster ragen aus der Gesichtswand heraus und tragen das Tympanon, in dessen Mitte sich ein großes Fenster mit dem Wappen der Jesuitenväte "I.H.S." öffnet: Iesus Hominum Salvator (Jesus der Erlöser der Menschen) (2).

In der Mitte der Blendsäulen befinden sich vier muschelnformige Nischen, typisch des Barockstils, in denen man die Gipsstatuen der größten Heiligen Ärzte der Westkirche erkennt: St. Augustinus, St. Gregor der Große, St. Ambrose und St. Jerome. Der Eingang besteht aus einer massiven Kassettentür, die mit Kreuzen und Bronzerosetten verziert ist. Über dem Hauptaltar sieht man die Leinwand der „Beschneidung Jesu“, die lange Zeit Paolo De Matteis (1662-1728) (3) zugeschrieben wurde.

An den Anhängern, an den Lünetten unter der Kuppel und an den Rückwänden sind die Tugenden und biblischen Szenen des tropeanischen Malers Giuseppe Grimaldi (1690-1748) (4) dargestellt.

Vom selben Maler ist auch die große Leinwand La natività („Die Geburt Christi“), die über der Haustür hängt. Das 1731 datierte Werk nimmt 38 Quadratmeter der Mauer ein und stellt die Madonna mit dem Kind und Szenen aus dem ländlichen und pastoralen Leben dar. Auf der linken Seite befindet sich ein Selbstbildnis Grimaldis, während er die Krippe zeigt (5).

Am Anfang der Kirche sieht man links die Büste von Carlo Scattaretica (6) mit einer Inschrift. Hier berichtet man von seiner Schenkung von 600 Dukaten im Jahre 1676 für den Wiederaufbau der Kirche und der Kapelle Sant’Alfonso Maria dei Liguori (1696-1787), Gründer der Kongregation der Redemptoristenmissionare. Der Marmoraltar aus dem 18. Jahrhundert wurde in Messina vom Pater Vito Michele Di Netta gekauft und dem Gründer der Redemptoristen anlässlich seiner Heiligsprechung 1839 gewidmet (7-8).

Diese Marmore gehörten wahrscheinlich zu Kirchen, die vom Erdbeben im Jahre 1783 zerstört wurden. Links von diesem Altar hängt das Gemälde von San Clemente Maria Hofbauer (1750-1820) und rechts des Schutzpatrons Kalabriens, San Francesco di Paola (1416-1507). Früher war diese Kapelle dem Heiligen Nikolaus gewidmet. Die rechte Kapelle ist dem Heiligen Gerardo Maiella (1726-1755) gewidmet. Dieser Altar ist eine symmetrische Stuckimitation des Altars von Sant’Alfonso Maria dei Liguori (9-10).

In dieser Kapelle befinden sich die Statuen der Madonna Addolorata und das Kruzifix, dem die Kapelle ursprünglich gewidmet war. An der linken Wand ist das Grab des ehrwürdigen Dieners Gottes Pater Vito Michele Di Netta (1787-1849) (11).

Noch weiter zur Mitte der Kirche befindet sich links der Altar des Heiligen Ignatius von Loyola (1491-1556), dem Gründer des Jesuitenordens. Die Leinwand von Giuseppe Pascaletti (1699-1757) zeigt den Heiligen, während einer Vision von Jesus, der ihm sagt: „In Rom werde ich dir günstig sein“. An den Seiten dieses Altars sind zwei Gemälde von Giuseppe Grimaldi: Das rechte zeigt den Heiligen Ignatius, der die von der Madonna diktierten geistlichen Übungen schreibt (12), während das linke den Tod des Heiligen darstellt (13).

Über dem Altar stehen die Gipsstatuen von San Francesco Borgia (1510-1572) und San Francesco de Geronimo (1642-1716) und in der Mitte die Statue der Immacolata und rechts die Büste von San Gennaro (+ 305). Unter dem Altar befindet sich das Simulakrum der Heiligen Philomena (+ 311), Märtyrerin unter Diokletian. Auf der rechten Seite der Kirche sieht man den Altar des hl. Franziskus Xavier (1506-1552), einer der ersten Gefährten Sankt Ignatius‘, der als „ Apostel der Inder“ bezeichnet wurde. Über dem Altar ist noch ein weiteres Gemälde von Giuseppe Pascaletti mit der Darstellung des Heiligen. An den beiden Seiten des Altars sind zwei Gemälde von Grimaldi: links San Francesco Saverio bei der Aufnahme des von einer Krabbe geborgenen Kruzifixes und rechts der Tod des Heiligen (14).

Die beiden Gipsstatuen an der Spitze des Altars stellen links den heiligen Stanislaus Kostka mit dem Jesuskind (1550-1568) und rechts den heiligen St. Louis Gonzaga (1568-1591) dar. Da oben ist Gott der Vater. Unter dem Altar befindet sich die Holzstatue des Toten Christus aus dem 18. Jahrhundert, die jeder Karfreitag in einer Prozession mit der Madonna Addolorata getragen wird. Der große Kronleuchter aus Muranoglas aus dem 19. Jahrhundert wurde vom Graf Pasquale Gabrielli als Dankeschön an die Missionari Redentoristi übergeben.

S. ANNA PALAST

Der Palast wurde 1605 erbaut, um das Jesuitenkolleg zu beherbergen (15). Zu Beginn des 17. Jahrhunderts hielten die Tropeaner es für notwendig, den religiösen Orden aufzunehmen und ein Schulsystem einzuführen (dafür waren die Jesuiten sehr berühm). Nach der Vertreibung der Compagnia di Gesù aus den verordneten Orden im Jahr 1768 und der Unterdrückung von Papst Clemens XIV. wurde auch in Tropea ihre Präsenz eingestellt. Etwa dreißig Jahre später wurden das Kollegium und die Jesuskirche den Redemptoristenvätern von Sant’Alfonso Maria di Liguori anvertraut. Das ehemalige Jesuitenkolleg ist heute zwischen der Stadtverwaltung und den Redemptoristen aufgeteilt. Es handelt sich um ein großes Gebäude, das einen Teil der ursprünglichen Struktur auch im Keller erhalten hat. Nach dem Erdbeben von 1783 erlitt es so große Schäden, dass es notwendig war, einige Bauwerke in den oberen Stockwerken abzureißen (16).

Als Gemeindesitz von 1867 bis 1985, 1928 wurde der Palast Sanierungen unterzogen, die zur definitiven Trennung der Redemptoristenväter vom Gemeindevermögen führten. Mit der staatlichen Unterdrückung religiöser Institute im Jahr 1867 waren die Redemptoristen gezwungen, das Gebäude zu verlassen, bis sie Tropea 1888 verließen. Erst 1927 kehrten sie auf Wunsch des Bischofs und des Klerus zurück, um ihren alten pastoralen Eifer wieder aufzunehmen. Im Laufe der Jahre gab es mehrere Renovierungen, die die ursprüngliche Struktur nicht verändert haben, da sie tatsächlich nur die nebensächlichen inneren Verteilungen betrafen (17).

DIE ADELKAPELLE

Die Adelkapelle, auch Kapelle der Weißen von St. Nikolaus genannt (18), ist ein kleines Gebäude mit rechteckigem Grundriss. Es befindet sich neben der Seitenfassade des Palazzo Sant’Anna und wurde in der Barockzeit zwischen Ende 1500 und Anfang 1600 erbaut. Der Zugang erfolgt über einen kleinen Außenhof, der mit einem Eisentor von 1833 verschlossen ist (19).

An der Haustür befindet sich ein Wappen mit Inschrift des Patriziers Paolo Braccio, der sich 1648 um die Wiederherstellung der Kirche gekümmert hat. Mit seinen Tempera-Gemälde und den geometrischen oder figurativen Motiven, ist das Innere der Adelkapelle ein bedeutendes Dokument der Barockkunst in Kalabrien und insbesondere der lokalen Malerei (20).

Die stabilen Steinmauern sowie die Blendsäule, die Pilaster und die Bossenwerke sind in gutem Zustand. Die Kapelle hat eine Holzabdeckung auf zwei übereinander liegenden Ketten, die in zwei verschiedenen Epochen hergestellt wurden, um das wertvolle Gewölbe aus Schilf und Gips besser zu stützen. Es gibt sieben Leinwände (die Originale befinden sich im Diözesanmuseum von Tropea), die Episoden aus dem Leben der Madonna darstellen. Einige von ihnen sind vom europäischen Maler Jacopo Ruffa unterzeichnet (21-22-23).

Von der kleinen Sakristei neben der Kapelle gelangt man über eine Treppe zum Chor, der eine wertvolle Orgel aus dem siebzehnten Jahrhundert beherbergt. Die 21 Pfeifen der Orgel sind in drei Buchten mit wertvollen barocken Schnitzereien verteilt (24). Der monumentale Holzaltar und die zwei große Fenster mit Meerblick dominieren Raum und Volumen der Kapelle.

Progetto realizzato dagli studenti della classe IV
del Liceo Classico "P.Galluppi" - Anno 2018/2019
Tutor: Dott. Dario Godano
Traduzioni: Prof.ssa Luigina Rovito,
Prof.ssa Francesca Ottavio, Prof.ssa Franca Medile