PORTA DI MAREUND BASTIONE DELLA MUNIZIONE

An der Ostseite der Stadt Tropea befand sich einst die Porta di Mare, die älteste der Stadtmauern, die die Stadt verteidigte (1). Die Porta di Mare erhielt ihren Namen, weil sie sich gegenüber der Marina befand, in der die wichtigsten kommerziellen Aktivitäten stattfanden (2).  

Ursprünglich gab es eine Zugbrücke mit einem tiefen Graben davor. Später wurde eine Holzbrücke befestigt, die um 1824 durch ein gemauertes Gewölbe ersetzt wurde. Unter der östlichen Klippe gab es ein imposantes Bogensystem, die das Marinearsenal bildeten (3). Dieses Arsenal stand in der Nähe der Mündung des Flusses Lumia, von wo aus verschiedene Arten von Handels- und Fischerbooten gebaut und repariert wurden, sogar für militärische Zwecke, wie die drei Galeeren, die am 7. Oktober 1571 unter dem Kommando von Oberst Gaspare Toraldo an der Schlacht von Lepanto teilnahmen.

Das Seetor wurde von einer Bastion namens "La Munizione" (4) verteidigt. Sie wurde nicht nur so genannt, weil dort Schießpulver und Kanonen gelagert wurden, sondern auch andere Arten von Waffen (wie Schwerter, Hechte, Hellebarden) und es als Behausung für Soldaten diente sowie die Unterkunft des Gouverneurs beherbergte. Nach Meinung mehreren Historikern, versammelten sich im Inneren das Parlament der Universitas Tropeae– bestehend aus Adligen und später auch aus Menschen der Mittelschicht, die mit zwei Bürgermeistern ihre Richter, ihr Einkommen, die Rechte und Privilegien selbst verwalteten.

Andere Dokumente (1515, 1544, 1550) berichten, dass die Treffen in der nahe gelegenen Kirche Santa Maria Maddalena (angrenzend) und der Kirche der Raccomandata (angrenzend an die Bastion La Munizione“) abgehalten wurden. In der “Munizione“ gab es auch eine Art Gerüst für Hinrichtungen, das "der Thalamus" genannt wurden. Dem aus Tropea stammenden Chronisten Francesco Sergio zufolge wurden 1642 zwei Adlige aus Tropea enthauptet, die sich im Jahr zuvor mit einem Sakrileg in der Kathedrale befleckt haben. Um 1926 begann die Restaurierung der Kathedrale, die erst im Jahre 1931 endete. Die Munitionsbastion und das Seetor, die durch die Erdbeben von 1905 und 1908 beschädigt wurden, wurden schließlich im Jahre 1929 abgerissen, wodurch der heutige Aussichtspunkt mit der Treppe zum Yachthafen entstand (5).

DIE KATHEDRALE DER MARIA SANTISSIMA DI ROMANIA

Die Kathedrale wurde 1163 während der normannischen Herrschaft erbaut und der Santa Maria Assunta geweiht. Das Gebäude hat einen basilikalen Grundriss mit drei Kirchenschiffen und ist durch achteckige Säulen und bunten Quadern, wie es die Tradition der sizilianisch-normannischen Romanik vorsieht (6).

Wegen Erdbeben und Brände wurde sie im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. Zwischen 1926 und 1931 wurde sie wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. Dieses Eingreifen beseitigte jedoch fast alle Spuren des Barock und der Neoklassik (7). Der Haupteingang öffnet sich mit einem Portal mit Tuffbögen. Der äußere Apsidenkomplex mit drei Krümmungen hat dekorative Bögen und aus gelbem Tuff- und Lavastein Dekorationen. Die Nordfassade ist die ursprüngliche normannische. Ein weiteres Portal aus dem 18. Jahrhundert zeigt kleinere Proportionen, hat vier Stufen und eine Steinstruktur mit dem Bild der Madonna di Romania.

In der ersten Kapelle rechts befinden sich einige Gräber der Familie Galluppi aus den Jahren 1598 und 1651 und das Grab des Philosophen Pasquale Galluppi (8). In der zweiten Kapelle befinden sich ein großes Holzkreuz aus dem fünfzehnten Jahrhundert und das Grab des seligen Francesco Mottola (9).

Beim Weitergehen trifft man den südlichen Seiteneingang und das Grab der Familie Gazzetta (1530) (10). Von hier kommt man zur Sakristei und zum Kapitelsaal, wo die Porträts der Bischöfe der Diözese und viele Holzmöbel aus dem 18. Jahrhundert ausgestellt sind. Noch im rechten Seitenschiff erreicht man die Kapelle der Madonna delle Grazie und des Allerheiligsten und die Santa Domenica-Kapelle, in der sich wertvolle Altäre und Dekorationen aus polychromem Marmor von 1740 befinden; seitlich befinden sich die Santa Domenica- und San Francesco di Paola-Altäre (11).

Die Pendentifs des Gewölbes und der Lünetten enthalten Gemälde von Giuseppe Grimaldi, die das Martyrium von Santa Domenica darstellen (12).

Am Ende der Apsis des rechten Seitenschiffes sind die Orgel und der Altar aus dem Jahr 1555 mit der Madonna del Popolo (13) von Giovanni Angelo Montorsoli, einem Schüler Michelangelo Buonarrotis. An der Wand der Hauptapsis hängt die Ikone der Heiligen Maria di Romania, ein Werk der Schule Giottos, angeblich von Lippo di Benivieni (Mitte des 14. Jahrhunderts). Dieses Gemälde wurde auf einer Zedernholzplatte ausgeführt und im Laufe der Zeit mehrmals überarbeitet. Die Volksfrömmigkeit erkennt ihm zahlreichen Wundern, darunter den Schutz der Stadt gegen Erdbeben, Plagen und Kriegszerstörungen.

Im Hauptschiff sieht man die Kanzel aus dem 18. Jahrhundert. Das Basrelief, von Pietro Barbalonga (1598), stellt die Geburt Christi dar und war ursprünglich Teil der Galzerano-Kapelle (14).

In der Apsis befinden sich ein wertvolles Marmorzelt der toskanischen Schule des fünfzehnten Jahrhunderts, das von Bischof Pietro Balbo in Auftrag gegeben wurde, und die Marmorstatue der Madonna della Libertà aus dem siebzehnten Jahrhundert. Das war eine Votivgabe der Tropeaner für die Annullierung des Verkaufs, als die Stadt Lehen des Fürsten von Scilla, Vincenzo Ruffo, im Jahr 1615 werden sollte (15).

Am Seitenausgang Richtung Norden befindet sich ein Basrelief, das auf Gagini (Mitte des 16. Jahrhunderts) rückführbar ist und die Auferstehung Jesu Christi darstellt, und noch zwei Basreliefs aus derselben Zeit. Sie stellen die Verkündigung der heiligen Jungfrau (16).

VEREHRUNG DER MADONNA DI ROMANIA

In Bezug auf die Ankunft des Gemäldes der Madonna di Romania (17) erzählt die Legende, dass eine Ikone zur Zeit der ikonoklastischen Kämpfe auf einem Schiff aus dem byzantinischen Osten ankam. Ein Sturm trieb das Schiff zum Hafen von Tropea: Deswegen wurde die Jungfrau des Gemäldes Madonna di Romania genannt (mit dem Begriff Romània bezeichnete man das Römische Reich des Ostens). Nach den Reparaturen versuchte der Kapitän, wieder abzureisen, aber das Schiff blieb vor Anker stehen. In derselben Nacht träumte der Stadtbischof von der Madonna: sie bat, in Tropea zu bleiben und seine Beschützerin zu werden. Der Traum wiederholte sich mehrere Nächte hintereinander. Schließlich lud der Bischof die hohen Beamten und die Bürger ein und sie gingen zum Hafen, um das Bild der Madonna zu nehmen (18).

Sobald das Gemälde an Land gebracht wurde, fuhr das Schiff wieder ab. Die Madonna kam dann auch im Traum zu einem anderen Bischof, Ambrogio Cordova, und warnte ihn vor einem Erdbeben, das Kalabrien zerstören würde. Am 27. März 1638 leitete er eine Bußprozession ein, an der alle Einwohner von Tropea teilnahmen. Während dieser Prozession kam ein Erdbeben, aber die Stadt fügte keine große Schaden zu. Dieses Ereignis verstärkte die Verehrung Tropeas der Madonna, die als Stadtbeschützerin anerkannt wurde. Die Tropeaner erinnern sich noch heute an den 27. März 1638. Die Madonna di Romania hätte auch die Stadt von einer Pestepidemie geheilt, die sich 1660 im gesamten Königreich Neapel ausbreitete und Tausende von Opfern forderte. Endlich, während des Zweiten Weltkriegs, sie beschützte Tropea vor der Explosion von sechs großen Kriegswaffen. Zwei von ihnen sind in der Kathedrale von Tropea zur Erinnerung an die vermiedene Tragödie aufbewahrt (19).

Jedes Jahr am 9. September, dem Jahrestag der Krönung der Heiligen Ikone, findet eine Prozession statt, die das verehrte Bild durch die Straßen der Stadt mit allen religiösen Bruderschaften begleitet. Die große Beteiligung des Volkes bestätigt die Hingabe an die Madonna. In den Tagen der Novene und am Festtag feiern die unzähligen Gläubigen ihre Beschützerin mit Hymnen und Liedern (20).

Progetto realizzato dagli studenti della classe IV
del Liceo Classico "P.Galluppi" - Anno 2018/2019
Tutor: Dott. Dario Godano
Traduzioni: Prof.ssa Luigina Rovito,
Prof.ssa Francesca Ottavio, Prof.ssa Franca Medile